+++ Eigentlich +++
Ich habe langsam das Gefühl, dass ich diesen Spielbericht schon einmal geschrieben habe. Vielleicht sogar mehrfach. Wahrscheinlich müsste ich inzwischen nur noch die Namen der Gegner austauschen, ein paar Zahlen anpassen und gut. Und ehe ich weiter an Formulierungen feile, verschwende ich meine Zeit lieber damit, mich zu fragen, ob das Fahrrad bei Lutz an der Decke schon immer hing.
Am vergangenen Samstag verschlug es uns nach Neukieritzsch, wo mit Germania Zwenkau der nächste Gegner auf uns wartete. Nach vier Niederlagen zum Saisonauftakt war die Zielsetzung wenig überraschend. Endlich die ersten Punkte einfahren und verhindern, dass sich unsere aktuelle Tabellensituation zur Dauereinrichtung entwickelt. Dass das nicht leicht werden würde, war uns bewusst. Trotzdem hatten wir in den vergangenen Wochen immer wieder gezeigt, dass wir durchaus ordentlichen Handball spielen können. Das Problem dabei ist nur, dass ein Handballspiel bekanntlich 60 Minuten dauert.
Immerhin gelang uns der erste Treffer der Partie. Lange Bestand hatte die Führung allerdings nicht, denn bereits nach drei Minuten hatten die Hausherren das Ergebnis auf 3:1 gedreht. Danach fanden wir besser ins Spiel und hielten bis zum 8:8 in der zehnten Minute gut mit. Besonders Malte Morstein erwischte trotz des ungewohnten Spiels ohne Harz einen guten Tag. Überhaupt waren es vor allem die Phasen, in denen wir Tempo machten und den Ball schnell durch unsere Reihen laufen ließen, in denen Zwenkau Probleme bekam. So kämpften wir uns nach zwischenzeitlichem Rückstand wieder heran und gingen in der 20. Minute tatsächlich mit 13:12 in Führung. Zum zweiten Mal an diesem Abend und leider auch zum letzten Mal. Eigentlich ein guter Moment, um nachzulegen. Eigentlich.
Stattdessen folgten wieder jene Aktionen, bei denen man sich hinterher fragt, was genau der ursprüngliche Plan gewesen sein könnte. Einen überhasteten Hüftwurf durch gefühlt drei Gegenspieler kann man dabei exemplarisch für mehrere solcher Momente herausgreifen. Es sind diese Situationen, in denen uns aktuell noch die nötige Abgezocktheit fehlt und wir uns selbst um den Lohn unserer Arbeit bringen. Auch unsere Chancenverwertung machte die Sache an diesem Abend nicht unbedingt einfacher. Zu häufig scheiterten wir aus eigentlichguten Wurfpositionen und ließen Möglichkeiten liegen, die wir in einem solchen Spiel schlichtweg nutzen müssen (mist, dabei bin ich eigentlich so gut auf Medizinbälle). Aus dem 13:12 wurde so wieder ein Rückstand und statt mit einem ausgeglichenen Ergebnis oder vielleicht sogar einer Führung in die Kabine zu gehen, lagen wir zur Pause erneut mit drei Toren hinten.
Für die zweite Hälfte hatten wir uns dementsprechend einiges vorgenommen. Schließlich waren wir weiterhin in Schlagdistanz. Was dann allerdings folgte, lässt sich nur schwer schönreden. Innerhalb der ersten acht Minuten nach Wiederanpfiff kassierten wir einen 1:7 Lauf. Aus einem durchaus reparablen Rückstand wurde innerhalb kürzester Zeit eine Hypothek, die wir bis zum Schlusspfiff nicht mehr loswerden sollten. Zwenkau agierte nun deutlich offensiver in der Abwehr und versuchte, unseren Rückraum frühzeitig aus dem Spiel zu nehmen. Mit unseren drei Rückraumspielern fanden wir zunächst kaum Lösungen, vertändelten stattdessen Bälle und bekamen sie dann in Form einfacher Gegenstöße um die Ohren.
Dass wir defensiv weiterhin alles andere als sattelfest standen, machte die Sache nicht einfacher. Zu wenig Kommunikation, fehlende Abstimmung und verlorene Zweikämpfe ermöglichten Zwenkau immer wieder einfache Abschlüsse. Mal über außen, mal in Eins gegen Eins Situationen und mal im Gegenstoß nach eigenen Fehlern. 38 Gegentore sprechen am Ende eine ziemlich deutliche Sprache.
Immerhin gelang es uns im weiteren Verlauf, auf die offensive Deckung zu reagieren. Mit vier Rückraumspielern bekamen wir wieder mehr Bewegung in unseren Angriff, fanden zunehmend Lösungen und kamen auch wieder zu unseren Toren. Zu diesem Zeitpunkt war der Rückstand allerdings bereits zu groß, um Zwenkau noch einmal ernsthaft nervös zu machen. Am Ende stand deshalb ein 38:30 und damit eine weitere Niederlage, die sich in ihrer Entstehung erschreckend wenig von den vergangenen Wochen unterschied.
Natürlich könnten wir wieder auf unsere guten Phasen verweisen. Auf die Momente, in denen unser Angriff funktioniert und wir zeigen, was eigentlich möglich wäre. Das stimmt ja sogar. Aber irgendwann müssen aus guten Phasen eben auch gute Spiele werden. Noch fehlt uns dafür die Konstanz, die Ruhe in entscheidenden Situationen und vielleicht auch ein Stück weit die Erfahrung unserer jungen Mannschaft. Das lässt sich nicht von heute auf morgen ändern. Aber es lässt sich trainieren.
Immerhin bleibt uns nun etwas Zeit, genau daran zu arbeiten. Denn eigentlich wissen wir, was wir können. Eigentlich wissen wir auch, woran es liegt. Und eigentlich wäre es langsam an der Zeit, aus diesen Erkenntnissen die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Damit ich beim nächsten Mal vielleicht tatsächlich einen anderen Spielbericht schreiben kann.
Auf geht’s, Riesa!
Für Riesa spielten:
#23 Philipp Röpke (TH), #5 Malte Morstein (7), #8 Philipp Schneese (1), #9 Max Simon (6), #11 Theodor Kuhl (2), #22 Paul Steffan (1), #27 Moritz Kunzendorf (4, 1/1), #28 Tim-Luca Wandelt (2), #33 Jason Heimann (3), #36 Hendrik Pawlowski (1), #44 Maurice Gnadt (3, 1/2)
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